Kleines Lexikon des Hexenwesens von Ditte und Giovanni Bandini

In diesem Beitrag stelle ich diese zauberhafte kleine Ausgabe von „Kleines Lexikon des Hexenwesens“ von Ditte und Giovanni Bandini vor. Diese war Teil meines Januar-Rückblicks der 100-Bücher im Jahr-Challenge. Dieses Buch liefert einen Einblick in die alte Welt der Hexen.

Kleines Lexikon des Hexenwesens von Ditte und Giovanni Bandini, dtv

 


 

Allgemeine Infos

Titel: Kleines Lexikon des Hexenwesens

Autor(en): Ditte Bandini und Giovanni Bandini

Verlag: dtv

ISBN: 9 783423 202909

Seiten: 243

Jahr: 1999

 


 

Der Klappentext

„Von Agnes Vollmerin bis Zaubertrank: Die geheime Welt der Hexen“

„Sie haben Triefaugen und manchmal einen Entenfuß, melken Axtstiele, verwandeln sich gerne in dreibeinige Hasen und tanzen nackt auf dem Blocksberg: Über Jahrhunderte hin beschäftigten Hexen die Phantasie ihrer Zeitgenossen, die sie für Unglücke und Wetterstürze, für Mißernten und Krankheiten verantwortlich machten. Ditte und Giovanni Bandini haben volkstümliche Ansichten über die >>Unholden<< zusammengetragen und berichten anschaulich und unterhaltsam über mutige Aufklärer und verblendete Inqisitoren, magische Handlungen und alte Zaubersprüche.“

 


 

Der Inhalt

Das Lexikon des Hexenwesens enthält 167 Einträge von A bis Z zu unterschiedlichen Merkmalen von Hexen oder bedeutsamen Personen in der Geschichte des Hexenwesens, wie z.B. „Besessenheit“, „Jeanne d’Arc, „Rabe“, „Teufel“ oder „Wetterhexe“. Bebildert ist es mit über 20 Kopien von Illustrationen und Kunstwerken über Hexen und ihr Treiben.

 


 

Mein Interesse an dem Buch

Ich habe mich schon immer für die Hexerei interessiert. Früher zu Schulzeiten hatte ich tatsächlich mal einen kleinen Hexenklub mit zwei Freundinnen. Diese Phase hielt nicht allzu lange an aber wir haben uns eine zeitlang getroffen und uns an ein paar Zaubertricks versucht. Wir haben sogar mal einen Liebeszauber ausgeführt, den ich aus einem New Age-Hexenzauberbuch hatte. Wir mussten dazu eine Art Milchreis kochen und mit Zaubersprüchen belegen. Dieser sollte dann von dem Angebeteten verzehrt werden. Leider mochte der absolut keinen Milchreis und ließ sich nur mit Müh und Not zum Probieren überreden. Vermutlich ist das der Grund, weshalb der Zauber nicht wirklich wirken wollte …

Jedenfalls interessiere ich mich nach wie vor für Magie, Okkultismus und Zauberkunst auch wenn ich selbst dem Hexen abgeschworen habe. Da ich bereits andere Bücher von Ditte und Giovanni Bandini gelesen habe und ich ihre Handbücher sehr gerne mag, habe ich mich entschieden auch dieses kleine Lexikon zu erwerben.

 


 

Rezension

Das Hexenwesen

Dieses kleine Lexikon enthält viel Wissenswertes über Hexen, wobei die Informationen überwiegend auf altem Volksglauben beruhen. Es wird sehr deutlich, wie stark das Bild des Hexenwesens durch das Christentum bestimmt wurde. So wurde nahezu jedes Übel oder Unerklärliche damals den Hexen untergeschoben, die dem Glauben nach mit dem Teufel im Bunde waren. Daher sind natürlich auch die Hexenverfolgungen Thema und viele populäre Persönlichkeiten, die der Hexerei beschuldigt und hingerichtet wurden.

Ein Beispiel hierfür stellt Jeanne d’Arc dar, die 1431 auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde nachdem sie wegen Ketzerei und Zauberei angeklagt wurde. Viele solcher Anschuldigungen waren beliebig und wurden ohne Grundlage getätigt. Massenhaft Frauen aber auch Männer fanden auf dem Scheiterhaufen oder durch andere Hinrichtungsformen den Tod, weil sie angeblich Hexerei, Zauberei und Teufelsanbetungen praktizierten. Ein weiteres bekanntes Beispiel hierfür sind die Hexen von Salem. Aufgrund von Verleumdungen kam es in Salem zur Verhaftung von 141 angeblichen Hexen und zu 19 Hinrichtungen. Mitverantwortlich für die Ausschreitungen der Hexenverfolgung war unter anderem der durch die Inqisition herusgegebene „Hexenhammer„, im Original „Malleus maleficarum„. Dieses Buch hatte die Aufmachung einer wissenschaftlichen Abhandlung, weshalb es im weiteren Verlauf als eine Art Strafkodex für Hexenprozesse verwendet wurde.

Neben den Hexenverfolgungen informiert das Buch auch über das Verhältnis von Hexen und Tieren, wie z.B. deren enge Bindung zu (schwarzen) Katzen und Raben. Auch die Vorlieben für verschiedene Dinge, wie Butter, Haare und bestimmte Kräuter wird thematisiert. Der klassische Besenritt und der Tanz auf dem Hexenberg wird natürlich auch nicht ausgelassen.

 

Heute melke ich einen Axtstiel

Viele angeblich typischen Merkmale oder Aktivitäten von Hexen wie Entenfüße, das „Melken“ von Axtstielen, das Reiten auf einem Sieb (?) oder die Verwandlung in dreibeinige Hasen kommt mir aus heutiger Sicht ziemlich weit hergeholt und irgendwie absurd vor.

Viele Aspekte finde ich hingegen wirklich sehr interessant, wie z.B. die Berichte über die vielen realen Persönlichkeiten, die entweder durch ihren Kampf gegen die Hexenverfolgungen oder durch ihre Hingabe für Okkultismus und Magie in Erscheinung traten (auch wenn zweitere dafür meist mit dem Leben zahlen mussten). Auch die Berichte über die Hexenverfolgung interessieren mich. Es ist wirklich ein grauenhaftes Stück Geschichte aber ich denke, es ist wirklich wichtig das zu thematisieren. Immerhin handelt es sich dabei um jahrundertelangen Massenmord, der in erster Linie durch Propaganda initiiert

wurde.

Schade finde ich, dass Ditte und Giovanni Bandini das Hexentum in dem Lexikon nur auf Grundlage alten Volksglaubens beleuchten. Ich hatte erwartet darin auch modernere Darstellungen der Hexerei zu finden. Zudem hatte ich mir erhofft etwas mehr über okkulte und magische Praktiken zu erfahren. Der Fokus liegt aber eher auf dem Bild der Hexen, wie es durch allgemeinen – stark durch die Kirche beeinflussten – Aberglauben entstanden ist. Es geht also in diesem Buch wirklich um die „Hexe“ mit runzligem Gesicht und einem Entenfuß, die mit ihrem Besen in der Walpurgisnacht auf den Blocksberg fliegt und mit dem Teufel eine wilde Party feiert. Für meinen Geschmack sehr klischeehaft.

 


 

Fazit

Das Buch behandelt das Hexenwesen, wie es nach dem alten Volksglauben des 12. bis 19. Jahrhunderts aufgefasst wurde. Es behandlt viele Klischees, die den Hexen in diesen Jahrhunderten angedichtet wurden sowie viele Persönlichkeiten, die einen Einfluss auf eben dieses Bild der Hexe hatten. Es werden auch viele bekannte Persönlichkeiten vorgestellt, die mit der Kunst der Hexerei und Zauberei in Verbindung standen oder dieser bezichtigt und dafür angeklagt wurden. Die Hexenverfolgungen sind demnach ein immer wiederkehrendes Thema. Insgesamt fand ich viele Aspekte wirklich interessant und kann das Buch auf jeden Fall jenen empfehlen, die ein Interesse für Volks- und Aberglauben haben. Wer sich für das moderne Hexentum interessiert wird in diesem Lexikon leider nicht fündig. Ebenso wie jene die ein heidnisches Verständnis der Hexerei gegenüber dem vom Christentum inszenierten vorziehen.

Mir ist immer noch schleierhaft wie Hexen bitteschön auf einem Sieb reiten, … da kommt selbst meine Fantasie an ihre Grenzen 😀

Kleines Hexenschränkchen

 

 

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