Über meinen Schreibprozess: Das Plotten

Heute möchte ich etwas zum Thema „Plotten“ schreiben und zwar, welche Rolle das Plotten in dem Schreibprozess zu meinem Fantasyroman gespielt hat und wie ich dabei vorgegangen bin. Abermals ist der Beitrag inspiriert durch die Aktion #WriteinMay, die die beiden Autorinnen Maria Hermann (@vielweltenpresse) und Daphna Mahr (@daphne.mahr) bei Instagram ins Leben gerufen haben. Schaut also auch gerne mal bei Instagram bei den beiden vorbei oder schaut nach dem Hashtag #WriteinMay

Thema Plotten

Plotten – Äh, was ist das?

Als ich mit dem Schreiben des ersten Teils meiner dreiteiligen Fantasyreihe angefangen habe, wusste ich nicht einmal, was „Plotten überhaupt ist. Ich habe einfach angefangen zu schreiben und versucht meine Idee auf Papier bzw. in ein Word-Dokument zu bekommen. Weil meine Idee immer mehr wuchs und ich gar nicht so schnell schreiben konnte, wie mein Kopf arbeitete, habe ich mir viele Notizen gemacht. Dabei bin ich eher etwas unstrukturiert vorgegangen und habe alles so notiert, wie es mir gerade in den Sinn kam. Dabei habe ich sozusagen indirekt geplottet, ohne zu wissen, das ich das tue. Das lief aber eher parallel zum Schreiben und diente lediglich dazu all die Informationen aus meinem Kopf irgendwie zu notieren und zu sortieren.

Was ist ein Plot?

Um zu verstehen, was mit Plotten gemeint ist, ist am besten erstmal zu klären, was ein Plot ist. Plot bedeutet Handlung, nicht im Sinne einer einzelnen Aktion, sondern im Sinne eines Handlungsgerüstet. Gemeint ist demnach die Handlung (als Ganzes) einer Geschichte (Roman, Film, Drama). Fritz Gesing sagt in seinem Ratgeber „Kreativ schreiben“ (2004, S. 94), dass eine Handlung erst dann zu einer Geschichte wird, wenn die einzelnen Ereignisse aufeinander bezogen werden, wenn also ein Ursache-Wirkungs-Verhältnis besteht. Verschiedene Ereignisse reihen sich in diesem Sinne nicht einfach nur aneinander, sondern stehen zueinander in einem Zusammenhang. Ein Protagonist handelt und löst damit etwas aus, was wiederum Konsequenzen nach sie zieht, z. B. die Reaktion des Antagonisten, der mit seinem Handeln wiederum etwas auslöst usw. Genauso gut können natürlich auch äußere Bedindungen als Ursache auftreten.

Was ist plotten?

Diesem Verständnis folgend, wäre das Plotten also das Herstellen eines Zusammenhanges zwischen verschiedenen Ereignissen, also eines Handlungsgerüstes, das in seiner Gesamtheit eine Geschichte (Plot) ergibt. Ich würde das Plotten einfach als Grundgerüst einer Geschichte bezeichnen. Das heißt, das ich mich vor dem Schreibprozess hinsetze und mir ein Gerüst bastele an dem ich mich beim eigentlichen Schreiben entlanghangeln kann.

Es gibt übrigens ganz unterschiedliche Vorgehensweisen zum Plotten und unzählige Modelle, an die man sich halten kann. Die beiden Extreme wären wohl das Ausklamüsern einer Geschichte bis hin zu detaillierten Kapitelzusammenfassungen vs. überhaupt nicht plotten, sondern spontan drauf los schreiben.

Plotten oder nicht plotten – Das ist hier die Frage

Wer sich einmal unter Autor*innen umhört, der wird schnell merken, dass die Meinungen bezüglich des Plottens weit auseinander gehen. Einige schwören auf das Plotten, andere fühlen sich dadurch in ihrer Kreativität eingeschränkt. Manche praktizieren es extrem, andere in einer abgeschwächten Form. Gibt es ein Patentrezept für das Plotten um besonders erfolgreiche Bücher zu schreiben? Ich denke nicht! Ob und wie geplottet wird ist meiner bescheidenen Meinung nach eine ganz individuelle Entscheidung und hängt von den persönlichen Bedürfnissen und Denkweisen ab.

Intuitiv plotten

Ich habe, wie gesagt, bei meinem ersten Teil meiner Fantasyreihe intuitiv geplottet, bin dabei aber sehr unstrukturiert vorgegangen und habe viele Dinge außer acht gelassen. Ich habe größtenteils wild drauf los geschrieben, die Geschichte fließen lassen und musste bei der anschließenden Überarbeitung vieles nachbessern, lose Fäden verknüpfen, letzte Lücken füllen, ungeklärte Fragen klären und Denkfehler ausbügeln.

Das war im Rückblick sehr mühsam, hat der Geschichte aber, wie ich denke, keinen Schaden zugefügt. Dennoch lässt mich das Gefühl nicht los, dass die ganze Sache eventuell nicht ganz rund ist und ich vielleicht immer noch Ungereimtheiten drin habe.

Bewusst plotten

Beim zweiten Teil bin ich nun sehr viel strukturierter an die Sache herangegangen. Dabei war es aber auch leichter, weil die Welt und die Charaktere bereits existierten und ich auf diesem Grundgerüst aufbauen konnte. Tatsächlich bin ich dabei wirklich so weit gegangen mir eine genaue Kapitelübersicht zu erstellen. Ich brauche mir nun beim Schreiben also keine Gedanken über die Gesamtzusammenhänge machen, ich schreibe einfach die jeweilige Handlung aus und habe dabei genügend Spielraum um beliebig viele Details und Ausschüttungen einzubauen.

Grundsätzlich werde ich mir auch bei meinen zukünftigen Projekten viel Zeit zum Plotten einräumen. Es erleichtert einfach den Schreibprozess und macht den Kopf frei. Wichtig ist es mir dabei aber mir genügend Spielraum zu lassen und das Gerüst bei Bedarf flexibel umgestalten zu können. Was für mich aber nicht in Frage kommt, ist es meine Geschichten nach Schema F aufzubauen, ich werde hinsichtlich des Spannungsaufbaus, Charakterentwicklungen, Hoch- und Tiefpunkten usw. weiter nach Gefühl gehen und mich nicht an ein Modell oder irgendwas halten. Es käme mir sehr unnatürlich vor Geschichten nach einem festen Rezept zu schreiben. Da halte ich es wie beim Kochen: einfach nach Gefühl (oder danach, was halt gerade so im Kühlschrank ist).

Was bevorzugst du: Plotten oder den Sprung ins Unbekannte?

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